Anmerkungen zu Namen, ihre Abwandlung und um Namenszusätze

 

Taufnahme

Name im täglichen Sprachgebrauch           23.01.2011

Babette

Bawett

Christoph

Steffel

Daniel

Doijel

Dorothea

Dora, Dort-sche, Thea

Elisabeth

Elies, Lissa-beth, Lis-beth, Liesje

Georg

Geo, Schorsch

Heinrich

Heuner

Hermine

Miene,  Mien-sche

Jakob

Jockel

Johannes, Johann

Hannes

Katharina

Kät-sche, Kättel, Kathrine,

Ludwig

Lui

Margarethe

Gred-sche, Magga,

Marie

Marrie, Ria

Susanne, Susanna

Sannsche

Michael

Michel

Valentin

Valdin


Namensgleichheiten gab es früher relativ oft. Doppelte Namen wurden (meist) mit römischen Zahlen markiert.

Bei geläufigen Namen führte das zu einer Nummerierung  bis  zu XXII also 22 oder noch mehr.

Beispiel:  Heinrich Emmer  (der erste ohne Zahl)

                Heinrich Emmer II

                Heinrich Emmer III

                Heinrich Emmer IV  -  usw.

(Phillipp und Ludwig Nold z.B. waren sehr häufige Namen, die zweistellige Zusatzziffern hatten.)

 

 

Namens-Zusätze 1

Eine weitere Eigenart war, dass Namen von Ahnen davor gesetzt wurden.

Diese Praktiken verlieren sich allmählich seit den 1960er Jahren.

Beispiel 1:  Schon bei der Mutter von Heinrich. Emmer III, Eva Emmer (Tochter von Johannes Roth) wurde „Hannes“ davorgesetzt, also: „Hannesse-Eva“. Dieser Zusatz schliff sich im Sprachgebrauch ab und wurde zu„Hanse-Eva“. Er wurde auch für den Sohn Heinrich Emmer III. (*1907) „übernommen“ also „Hanse-Heuner“.

Namens-Zusätze 2

Beispiel 2:  Phillipp Schaffner VII. (*1880) aus Goddelau, heiratete Anna Feitel in Erfelden. Er wurde somit zum „Feidel-Phillipp“. Auch sein Sohn Ludwig wurde bis in die 1950er Jahre noch „Feidels-Lui“ genannt.

Namens-Zusätze 3

Ebenso war es üblich eine „örtliche Kennung“ zum Namen dazuzuhängen. Also „Kersche-Müller“ „Weier-Lui“ (wohnte an der Kirche bzw. am Weiher).

Auch Berufe wurden als „Kennung“ benutzt.

Ludwig Klein z.B. war als „Schreuner-Lui“ bekannt aber auch als „Sahler-Lui“, weil er Lina Sahler geheiratet hat.

 

Redewendungen

(Weitere Redensarten werden gerne ergänzt).

 

 

Stichwort

platt geschwätzt

Erklärung

Kleesbrie

kloor wie Kleesbrieh

klar wie Knödel-Brüh-Wasser – also:  unklar

Abbel

fer en Abbel un e Aij

günstig, für wenig Geld

Abemick

läsdisch wie e Abe-migg

lästig wie eine Toilettenfliege…

Atzel

der/die klaut wie e Atzel

der/die stiehlt wie eine Elster

Bach

der machd aa die Bach enunner

mit dem geht es bergab

Beißzoa ng

der ziggt die Hose mit de Beißzoa ng hoch

der ist sehr umständlich

Bricketzje

e Bricketzje nooch-leje

einen Streit etwas anheizen und verschärfen

Doa g

moije es a noch en doa g

Abbrechen einer Tätigkeit. Bei Problemen oder übermäßiger Arbeit. „Schlaf mal drüber“ oder „warte mal bis morgen“

Dott

des kimmt iwerhabd ned in die Dott

„das kommt nicht in die Tüte“ -  kategorische Ablehnung (vermutl. aus Tante Emmas [Tüten]-Zeiten)

Drallje

der gehert hinner Drallje / Trallje

der gehört hinter Gitter

eckische Kobb

dess es so rund fer moin eckische Kobb

das kapiere ich nicht

Fett

der kriggt a noch seu Fett

für den das Schicksal auch noch eine Überraschung

Fischt

der hot oa n in de Ficht

der hat einen zuviel getrunken

Flitsch

der lesst die Flitsch heng-ge

er ist krank

freegt

wer loa ng freegt, geht loa ng err

wer erst fragt, muss lange auf eine Antwort warten

Gans

´rer fette Gans de Dotsch schmern

jemanden etwas geben, der eh´ schon sehr viel hat

gesoa t

die honns gesoa t, awwer koa ner was woa s genaues

es wurde erzählt, aber niemand weis etwa genaues

gigs – gags

segd ned gigs un ned gags

sagt man, wenn sich einer nicht entscheiden kann und nichts sagt

Gripp

Ich honn die Gripp un lei im Bett

Ich liege mit Grippe im Bett

guure

Ei guure wie, wo mach-schden hee?

sehr ausführliche Begrüßung

Herzbennel

der rennt sich de Herzbennel oa b

arbeitet bis zum Umfallen (zum Zusammenbruch)

Horn

`me Ochs ins Horn petze                       

etwas tun ohne etwas zu erreichen (wirkungslos)

Kersch

Ich honn off dich an de Kersch gelurt

ich habe auf dich an der Kirche gewartet 

korze fuffzeh

do mache mer korze fuffzeh

kurz und bündig

krakeel

der hot seun Hut off krakeel sitze

der hat seinen Hut vorwitzig, bzw. unternehmungslustig  auf dem Kopf

Noa el-bohrer

der sitzt offem Fahrroa d wie en Aff offem Noa el-bohrer (Nagelbohrer)

der macht eine eigentümliche Figur auf dem Fahrrad

Pitsche

der saift aus alle Pitsche Wasser

der hat überall Vorteile

Redd

vegess emol deu Redd ned

ein Einwurf in ein Gespräch, um etwas zu sagen

schaff

schaff dich hoa m

geh´ sofort nach Hause

Schärzbennel

der henkt seuner Modder als noch oa m Schärzbennel

der wird einfach  nicht erwachsen

Scheierdor

steht defeer wie e Kuh ferm neie Scheierdor

steht vor etwas und weis nichts damit anzufangen

(steht wie eine Kuh vor den neuen Scheunentor)

Schimmel

mach de Schimmel net schei

übertreib nicht,

Schloa g 

der hott Schloa g  bei de Mädscher

der hat Chancen bei den Mädchen

Schnawwel

mer schwätze wie uns de Schnawwel gewoa chse es

wir reden wie wir es gewohnt sind – platt

Straisje

die hot woa s am Straisje

die ist etwas irre im Kopf

strunze

mer strunze net, mer honn

wir müssen nicht angeben, wir haben

verickt

du bescht ve-rickt

das ist ja kaum zu glauben

vezehlt

sie honn vezehlt / es geht im Ort rim

Ortstratsch (i.d. meisten Fällen Gerüchte)

Woch

dumm wie die oa nner Woch

dumm (von der kommenden Woche weiß man auch noch nicht all zuviel)


 

Des vestehn soga die Gail:

Fuhrmanns-Befehle   Zurufe an das Gespann                                                               

 

Zuruf

 

hü, har

„links herum“

hott, oder hoit

„rechts herum“

hüa, aauf, jurr

„los geht´s“ – „vorwärts“

brrr

„anhalten“

huf serick

„zurück“

Bemerkungen

 

fun-de-Hand

das rechte Zugpferd

bai-de-Hand

das linke Zugpferd

Ferrer-gaul

vorderes Pferd (Leitpferd links)


Siehe auch Namen, Redensarten und Begriffe A-K und L-Z.



Und zum Schluss noch eine passende Anekdote, die sich Anfang 1950 in einem Nachbarort zugetragen hat. Den Ort wollen wir hier nicht nennen.


Bei den ABC-Schützen hielt im neuen Schuljahr ein, des Dialektes nicht mächtiger, Lehrer Unterricht.

Irgendwann fiel bei den Schülern der Begriff: „Saaf“. Lehrer: „Was ist denn Saaf“ ? - Pause!!   Nach länger Befragung stellte sich heraus, es muss wohl um „Seife“ gehen.

Der Lehrer gedehnt sprechend: „Wer von euch kennt denn „S e i f e“, - „S e i f e e“ !  

Spontaner Zuruf eines Schülers. „Herr Lehrer isch. Isch kenn Saiveh“ –„ Woa nn im Summer alle Deern offsteh dunn, kumme unser Hingel immer bis in die Kisch. Unn meu Modder rifft dann. Er Saiveh macht eisch naus in de Hof, wo er heegeheert“.

Wer´s nicht errät – es geht um „Mist- oder Sau-Vieh“  -   Walter Emmer