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Erweller Platt“ –                                                                          ergänzte Liste vom 22.01.2011

eine Sammlung des heimischen Dialektes aus dem vergangenen Jahrhundert.

 

 

Vorwort                                         

 

Das Südhessische ist ein rheinfränkischer Dialekt. Es wird im Raum um Frankfurt, in Wiesbaden, um Darmstadt herum und entlang der Bergstraße (bis Bensheim) gesprochen.

 

Das spezielle Erweller Platt wird nur noch in Fragmenten von wenigen „Ureinwohnern“ gesprochen. Viele Begriffe sind schon verloren gegangen. Die Durchmischung der Bevölkerung verhindert die sprachliche Weitergabe der alten, teils kraftvollen Begriffe. Viele Worte wurden aus dem Jiddischen und währen den Besatzungszeiten aus dem Französischen entlehnt. Nur noch wenige Alteingesessene können all diese Redensarten übersetzen.

 

Viele der in dieser Sammlung genannten Wörter werden bereits heute nicht mehr benutzt. Von Ort zu Ort - also schon in 3 - 4 km Entfernung wechseln die Aussprachen. Der Erweller „geht in Gaade“, der Leeheimer „in de Gadde“ und der Crumstädter „in Goarde“. Ab zehn km gibt es schon gravierende Unterschiede in der Sprache: In Gernsheim z.B. spricht man schon leicht Kurpfälzisch. In Trebur liegt man schon nahe am Mainzer Dialekt.

Ein Beispiel für die Vielfalt des regionalen Dialektes ist der Löwenzahn.In der Region Bingen - Frankfurt - Beerfelden - Neustadt/Weinstraße sind die folgenden zwölf Begriffe für den Löwenzahn dokumentiert:

Milchbusch, Milchpusch, Butterpusch, Butterblume, Eierpotsch, Eierpusch, Kuhbusche, Ochsenpusch, Kuhschisser, Schwärnpusch, Kettenblume, Paffladde.

 

Bisher erschienene Bücher mit „Platt-Sammlungen“ sind Momentaufnahmen, sie werden mit Interesse gelesen, stehen dann aber oft in Schränken und werden nicht mehr benutzt.

 

Wir wollen hier einen anderen Weg gehen. Dieses Verzeichnis „lebt“ – jeder kann Ergänzungen vorschlagen, die laufend eingearbeitet werden. Die nachfolgende Auflistung ist also eine speziell „Erwellerische“ Angelegenheit.

 

©  Walter Emmer - (geb. in Erfelden 1943), Riedstadt-Erfelden, im Januar 2010

 

 

Wer noch Begriffe vermisst, Verbesserungen vorschlagen, oder Kontakt aufnehmen möchte, kann dies gerne an:  walter.emmer@gmx.de  senden.  Wer sich mit dem Thema intensiver beschäftigen möchte findet unter folgenden Links ausführliche Informationen, allgemein zu Sprache, zum Dialekt und zum Südhessischen.

 

http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/6mda/hess-nh.htm

 

http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/6mda/sh/0reg.htm

 

http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/6mda/sh/abc/a.htm

 

Anmerkung:  Im Platt werden die meisten Laute anders gesprochen als im Hochdeutschen. Einige Beispiele zum „eingewöhnen“. Ei = ai, e = ä, p = b, k = g, t = d, v = f etc.  Kurze Betonung kann man leider nicht darstellen. In der folgenden Tabelle wurde so weit es möglich ist, eine Anlehnung an das Hochdeutsche verwendet. Beispiele:  Schdambes wird zu Stambes, Fraimagg zur Freimack, Schbeis zu Speis. Der Wortklang ist fast der gleiche, aber nur fast. Für ungeübte Leser - und in Zukunft werden es immer mehr - ist aber diese Schreibweise viel leichter erfassbar und lesbar. Auch für die Alphabetisierung und Suchfunktion ist sie nötig. Also bleiben wir bei dieser Anlehnung an den Duden, auch wenn es für echte Erweller ungewohnt aussieht.

 

 

Grundregeln des Südhessischen – „fer Zugezowene“

Ich wird zu isch, also ch zu sch, aus wichtig wird wischdisch.

Die „harten“ Buchstaben k, p, t, werden meist zu g, b, d.

Bei -en-Endungen wird das –n weggelassen.

Aus singen wird so singe, aus laufen wird laafe.

Endet ein Wort auf -e, Beispiel die Briefmarke, dann fällt das -e weg, also die Briefmack.

Beim Plural wird es kompliziert, denn aus der Briefmarke werden nicht etwa die Briefmarken, sondern das sind die Briefmacke.

Endet ein Wort auf –el oder –en, spricht man oft den vorderen Vokal kürzer. Nehmen wird zu nemme, bel zu Kiwwel.

Das b im Wort wird oft ein w. Gabel wird also Gawwel. Hobel zu Howwel.

Gern verwendet man Verkleinerungsformen. Ein Haus oder Rad bekommt den Namen Haisje oder Rädsche. Spricht man von mehreren, sind das die Haiserscher, oder Rärerscher.

Dann fehlt noch der hessische Genitiv. Es geht nicht um „Hermines Rad“, sondern es ist „de Hermine ehr Road“. Und wenn das Rad Hermines Bruder gehört, ist es „de Hermine ehrm Brurer seu Road“.

 

Und nun viel Spaß mit Namen, Redensarten und den Begriffen